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  • AutorenbildAngela Smith

Die Krise als Entwicklungschance


"Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann: in diesem Interregnum kommt es zu den unterschiedlichsten Krankheitserscheinungen."

Antonio Gramsci – Schriftsteller & Politiker


Im Laufe unseres Lebens durchlaufen wir immer wieder persönliche Krisen. Einige davon, wie die Pubertät oder auch die Lebensmittekrise, sind Teil unserer natürlichen Reifung und auch wenn wir sie auf ganz unterschiedliche Weise durchleben, sind sie voraussehbar. Andere Krisen, die zum Beispiel durch eine Trennung, den Tod eines Angehörigen oder eine schwere Erkrankung ausgelöst wurden, treffen uns meist unerwartet. Wie stark uns eine Krise trifft, wie leicht oder schwer wir wieder aus ihr herausfinden und wie lange sie anhält, ist abhängig vom persönlichen Empfinden, unserer Resilienz und unserer Bereitschaft dafür, Altes loszulassen und uns Neuem zu öffnen.


Sowohl gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche als auch persönliche Krisen markieren meist Momente, in denen die Strategien, mit denen bisher Probleme gelöst wurden – das Gewohnte und Bewährte -, nicht mehr greifen und wir noch keine neuen Lösungen haben. Oft überkommt uns ein Gefühl von Ohnmacht, bis hin zur Verzweiflung, professionelle Hilfe kann dann notwendig werden.

Blicken wir auf das griechische Wort „krísis“ (= Entscheidung, entscheidende Wendung), von dem das Wort „Krise“ abgeleitet ist, können wir Krisen als Aufforderungen zur Veränderung, als entscheidende Wendepunkte oder Übergangsphasen verstehen. Jede Krise birgt eine Chance in sich, neu auf das eigene Leben zu blicken, die eigene Situation, Gewohnheiten und Denkmuster in Frage zu stellen und Qualitäten in sich selbst zu entwickeln, die sich bisher noch nicht entfalten konnten.


In seinem Buch „ich bin, was ich werden könnte“ schreibt Mathias Wais: „Wo man von sich selbst enttäuscht und vor sich selbst ohnmächtig ist, da entsteht die wesentliche Frage, die weiterbringt: Wer bin ich wirklich? Wer bin ich über das hinaus, was ich an mir kenne und was sich bis zu dieser Krise – an mir bewährt hat?“[1] Biografiearbeit möchte dieser Frage auf den Grund gehen, sie möchte Entwicklungshilfe leisten, damit das Individuelle, ganz Eigene zum Vorschein treten kann. Gerade an den Entscheidungen in Krisenzeiten, aber auch an anderen Wendepunkten auf dem Lebensweg wird das ganz Individuelle eines Menschen und die treibende Kraft hinter den Entscheidungen erkennbar.


[1] Wais, Mathias, Ich bin, was ich werden könnte – Entwicklungschancen des Lebenslaufs: aus der Biografieberatung, edition tertium, 1995

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